Palliative Care: Übersicht

Palliative Care Palliativversorgung in Deutschland Hospiz Aufgaben der Hospizarbeit

 

 

Palliative Care

(lateinisch palliare: mit einem Mantel bedecken, englisch care: Versorgung, Betreuung, Aufmerksamkeit)

 

Palliative Care ist der Oberbegriff für die Versorgung unheilbar Schwerkranker und Sterbender. Dazu gehören die Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit. 1960 entstand in Großbritannien die moderne Hospizbewegung, aus der das Konzept Palliative Care hervorging. Das Konzept vernetzt unterschiedliche Berufsgruppen wie Ärzte, Pflegepersonal, Psychologen, Physiotherapeuten, Seelsorger, Sozialarbeiter, ehrenamtliche Helfer, aber auch Lebenspartner, Angehörige, Freunde, um die Beratung, Begleitung und Versorgung der Schwerkranken nach ihrem Willen und Wunsch umsetzen zu können. Die Palliative Care akzeptiert die Endlichkeit des Lebens und lehnt daher das künstliche Verzögern des Sterbens ab. Ziel der Palliative Care ist die Erhaltung der größtmöglichen Lebensqualität, daher wird eine aktive Sterbehilfe ebenfalls grundsätzlich abgelehnt.

Definition der WHO 2002 :

Palliative Care ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und deren Familien, die mit Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen: durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, untadelige Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.

 

Palliativmedizin

Die Palliativmedizin ist ein Teilbereich des Gesamtkonzeptes Palliative Care. Im Mittelpunkt steht die Beherrschung der Krankheitsbeschwerden, Symptome und Schmerzen. Die Palliativmedizin ist nicht nur auf den stationären Bereich fixiert wie Palliativstationen oder Hospize, sondern engagiert sich auch im ambulanten Bereich.


Palliativpflege

Die Palliativpflege als Teilbereich des Konzeptes Palliative Care vertritt eine individuelle, kreative, ganzheitliche Pflege. Mit anderen Berufsgruppen, Angehörigen und ehrenamtlichen Helfern wird ein Team gebildet, was in der Lage ist, den Klienten stationär oder ambulant rund um die Uhr entsprechend seinen Wünschen und Bedürfnissen zu pflegen. Die Palliativpflege versteht sich nicht als Sterbepflege. Der Klient soll unterstützt werden, möglichst beschwerde- und schmerzfrei die verbliebene Lebenszeit sinnvoll für sich zu nutzen. Im Mittelpunkt steht das Selbstbestimmungsrecht des Klienten.

Allerdings ist in den Pflegeeinrichtungen Palliativmedizin und -pflege eher eine Ausnahme und führt in der Praxis zu einer Zweiklassengesellschaft. Sterbende in Pflegeeinrichtungen werden "Sterbende II. Klasse".

 

 

Palliativversorgung in Deutschland


Seit 2008 regelt ein Gesetz die Palliativversorgung in Deutschland.

Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V)

§ 37b Spezialisierte ambulante Palliativversorgung

(1) Versicherte mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung, die eine besonders aufwändige Versorgung benötigen, haben Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Die Leistung ist von einem Vertragsarzt oder Krankenhausarzt zu verordnen. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung umfasst ärztliche und pflegerische Leistungen einschließlich ihrer Koordination insbesondere zur Schmerztherapie und Symptomkontrolle und zielt darauf ab, die Betreuung der Versicherten nach Satz 1 in der vertrauten Umgebung des häuslichen oder familiären Bereichs zu ermöglichen; hierzu zählen beispielsweise Einrichtungen der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen und der Kinder- und Jugendhilfe. Versicherte in stationären Hospizen haben einen Anspruch auf die Teilleistung der erforderlichen ärztlichen Versorgung im Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung. Dies gilt nur, wenn und soweit nicht andere Leistungsträger zur Leistung verpflichtet sind. Dabei sind die besonderen Belange von Kindern zu berücksichtigen.

(2) Versicherte in stationären Pflegeeinrichtungen im Sinne von § 72 Abs. 1 des Elften Buches haben in entsprechender Anwendung des Absatzes 1 einen Anspruch auf spezialisierte Palliativversorgung. Die Verträge nach § 132d Abs. 1 regeln, ob die Leistung nach Absatz 1 durch Vertragspartner der Krankenkassen in der Pflegeeinrichtung oder durch Personal der Pflegeeinrichtung erbracht wird; § 132d Abs. 2 gilt entsprechend.

(3) Der Gemeinsame Bundesausschuss bestimmt in den Richtlinien nach § 92 das Nähere über die Leistungen, insbesondere

1. die Anforderungen an die Erkrankungen nach Absatz 1 Satz 1 sowie an den besonderen Versorgungsbedarf der Versicherten,

2. Inhalt und Umfang der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung einschließlich von deren Verhältnis zur ambulanten Versorgung und der Zusammenarbeit der Leistungserbringer mit den bestehenden ambulanten Hospizdiensten und stationären Hospizen (integrativer Ansatz); die gewachsenen Versorgungsstrukturen sind zu berücksichtigen,

3. Inhalt und Umfang der Zusammenarbeit des verordnenden Arztes mit dem Leistungserbringer.

(Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__37b.html)

 

Ein Abschied in Würde

Frankfurter Allgemeine, MAGNUS HEIER, 1.12.2008

 

 

Hospiz

(Lateinisch: hospitium = Gastfreundschaft)

Ursprünglich waren Hopize im Mittelalter Herbergen in schwierigen Geländen wie Berge oder Flüsse für Pilger zum Heiligen Land. Christliche Orden boten mit diesen Herbergen Pilgern. Wanderern und Reisenden Schutz und Hilfe. Die Herbergen wurden bald auch der Zufluchtsort für Arme, Waisen, Ausgestoßene oder Sterbende. Um die Jahrhundertwende wurde der Gedanke eines „würdevollen Sterbens“ verstärkt aufgegriffen. In den 60ern entwickelte sich die moderne Hospizbewegung besonders durch das Wirken der  Ärztin Dr. Cicely Mary Strode Saunders. Das St. Joseph´s Hospiz von den barmherzigen Schwestern in London, in dem die Ärztin arbeitete, gilt heute als Mutterhaus der modernen Hospizbewegung.

Cicely Saunders, Begründerin der modernen Hospizbewegung, wurde  am 22.6.1918 in Barnet geboren. Aus gesundheitlichen Gründen schulte die Krankenschwester zur Sozialarbeiterin um. Nach dem II. Weltkrieg lernte sie auf ihrer Station in einem Londoner Krankenhaus David Tasma kennen. Der junge polnische Jude entkam dem Warschauer Ghetto und war unheilbar an Krebs erkrankt. Sie begleitete sein Sterben und erkannte seine Ängste und Nöte. Er vererbte ihr 500 Pfund, das Startkapital für das erste moderne Hospiz. Sie studierte später Medizin und arbeitete schwerpunktmäßig in der Schmerztherapie. 1967 konnte sie das St. Christopher Hospiz in London eröffnen, in dem sie auch am 14.7.2005 starb. Ihr Fachwissen, Organisationstalent und Engagement waren der Anstoss zur weltweiten Hospizbewegung und Palliativmedizin. Für ihr Wirken wurden ihr höchste Auszeichnungen und Ehren verliehen.

 


Aufgaben der Hospizarbeit

Im Mittelpunkt der Hospizarbeit stehen Sterbende mit ihren Bedürfnissen und Rechten.

Nahestehende Menschen müssen berücksichtigt werden durch Aufmerksamkeit, Fürsorge und Wahrhaftigkeit.

Die Hospizarbeit passt sich den Sterbenden und ihren Lebensgefährten an.

Die Hospizbewegung erkennt das menschliche Leben als Ganzes von Beginn bis zum Tod.

Die Hospizarbeit pflegt lindernd und lehnt künstlich lebensverlängernde Therapie ab.

Die Idee der Hospizarbeit ist lebensbejahend, was eine aktive Sterbehilfe ausschließt.

Ehrenamtliche sind wesentlicher Bestandteil der Hospizarbeit.

Ehrenamtliche Helfer sollen geschult und kompetent sein und werden in regelmäßigen Treffen begleitet.

Die ehrenamtlichen Helfer leisten nicht nur bei dem Sterbenden einen wichtigen Beitrag, sondern zeigen gesellschaftliche Verantwortung.

Unverzichtbar sind multidisziplinäre Hospizteams der beteiligten Berufsgruppen.

Hospizteams sind die professionelle Unterstützung für die Ehrenamtlichen.

Wesentliche Vorrausetzungen der Hospizarbeit sind neben einer guten Ausbildung entsprechende Fort- und Weiterbildungen, Supervision und Freiräume zur persönlichen Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer.

Das Hospiz besitzt die nötige Fachlichkeit zu medizinischen, pflegerischen, psychischen, sozialen und spirituellen Symptomen, die das Sterben begleiten können und können diese Symptome adäquat beherrschen.

Das Hospiz erfüllt eigenständig Aufgaben im bestehenden Gesundheits- und Sozialsystem und kooperiert eng mit bestehenden Diensten.

Das "Sterben zu Hause" ist im Interesse vieler Sterbenden zu ermöglichen.

Sollte die Pflege zu Hause nicht möglich sein, greifen Angebote der teilstationären und stationären Pflege.

Eine Krankenhausbehandlung sollte vermieden werden.

Sterbebegleitung bedeutet auch Trauerbegleitung.

 

 

 

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